In der Rubrik "Personen" stellen wir Kyudo-ka aus Baden-Württemberg vor, die aufgrund ihres Engagements, ihrer Lehrtätigkeit und / oder herausragenden Wettkampferfolge für das Kyudo im Land von besonderer Bedeutung sind.

Foto: R. Gückel

Ingrid Klöckner

 

Mit 56 Jahren hat Ingrid Klöckner Kyudo, das japanische Bogenschießen, für sich entdeckt. Heute ist sie 74 und immer noch dabei. Mehrmals die Woche trainiert die Killesbergerin die anspruchsvollen Bewegungen.

Ingrid Klöckner hält ihren Bogen in der linken Hand, mit der rechten führt sie den Pfeil an den Bambus. Bevor sie den Bogen hebt und die Sehne behutsam spannt, blickt sie zum Ziel. Es vergeht noch einige Zeit, bis ihr Pfeil ihre
Hand verlässt, um sein Ziel zu treffen. Bei so viel Konzen-tration in der Luft wagt man als Zuschauer kaum zu atmen.
Kyudo heißt der Sport der 74-Jährigen und ist die japanische Kunst des Bogenschießens. Wörtlich bedeutet der Begriff so viel wie „der Weg des Bogens“, wobei
Kyu für Bogen und Do für den Weg steht.
Die Schützen schießen dabei mit einem asymmetrischen Langbogen auf eine 28 Meter entfernte
Scheibe, genannt Mato.
Der Sport hat seinen Ursprung in den Kampfkünsten der
Samurai des mittelalterlichen Japan. Im 16. Jahrhundert verdrängten Feuerwaffen auch dort den Bogen als Kriegsgerät. Heute wird das traditionelle Bogenschießen als Sport betrieben. Mit Zen-Bogenschießen, wie oft fälschlicherweise zu lesen ist, hat es nichts zu tun. „Für mich ist das keine Meditation, sondern ein Sport“, sagt Ingrid Klöckner.

„Ich habe 25 Jahre lang Yoga gemacht und wollte irgendwann etwas Neues finden“, sagt Klöckner. Dann sah sie in einer Zeitschrift Bilder von Kyudo-Schützen.„Ich fand die Optik und die Art wahnsinnig schön, aber auch, dass der Sport Körper und Geist miteinbezieht“, sagt sie.Eine Freundin erzählte ihr, dass es in Feuerbach einen Verein gebe. Kurze Zeit später stand Klöckner vor dem Trainer Uwe Beutnagel in der Sporthalle. Als der gerade dabei war, jemandem die Hand für den Handschuh auszumessen, streckte sie ihm die ihre hin. „Ich brauche auch einen, habe ich zu ihm gesagt“, erinnert sich dieKillesbergerin und lacht herzlich.18 Jahre ist das nun her. Bereut hat sie es seither nicht. „Höchstens, dass ich nicht schon früher damit begonnen habe.“Kyudo zählt zu den Sportarten, die nicht nur Ausdauer, sondern vor allem Geduld und Zeit verlangen. Es dauert, bis sich die ersten Erfolgserlebnisseeinstellen. „Endlos. Es ist ein langer Weg“, sagt Klöckner und seufzt. Ohne Trainer kann man Kyudo nicht lernen.Bis sie einen echten Bogen in der Hand hatte und bereitwar, auf das weit entfernte Ziel zu schießen, verging ein halbes Jahr. Zunächst übte sie mir einer Zwille, ein kurzer Stock mit einem dicken Gummi dran, die Schusstechnik und den Bewegungsablauf.„Auch das hat schon Spaß gemacht“, sagt sie. Für sie sei es wie eine Sucht. „Wenn man da erst einmal dran ist und dabei ist, und es klappt langsam mit dem Schießen, dann will man gar nicht mehr weg davon.“ Während die meisten Kyudoka in Deutschland in schnöden Sporthallentrainieren, hat der Verein Kyudojo Stuttgart ein eigenes Dojo. Seit Anfang 2009 steht die Trainingsanlage in Wangen den Sportlern zur Verfügung. Der Verein wollte irgendwann einen dem Sport gerechten Raum. „Das hat natürlich eine ganz andere Atmosphäre als eine Sporthalle“, sagt sie über den Holzbau auf der grünen Wiese, in den vormittags Sonnenstrahlen über das lange Panoramafenster fallen und ihm eine bedächtige Atmosphäre verleihen.Hier steht sie zwei- bis dreimal in der Woche in all ihrer Eleganz, in ihrem traditionellen Gewand, dem Hosenrock und dem Brustschutz und übt.„Manchmal ist man wochenlang am üben und nichts geht. Das kann schon frustrieren. Aber es ist ja nicht das alleinige Kriterium, dass man trifft“, betont sie.Beim Kyudo ist kein Schritt, keine Bewegung dem Zufall überlassen. Das Schießen ist schwer, auch weil keinerlei Hilfsmittel wie Stabilisatoren oder Zielhilfen verwendet werden. Die Perfektion der Technik ist ebenso wichtig, wenn nicht gar wichtiger,als ein gelungener Treffer. „Man will ja auch mit einem guten Schuss getroffen haben. Es klappt auch mit einem schlechten, aber das befriedigt nicht.“ LangeUnterbrechungen erlaubt sie sich nicht.„Sportliche Pausen von ein bis zwei Wochen merke ich schon stärker als noch mit 30“, sagt Klöckner. Sie spürt zunehmend ihre Grenzen. Nach 20 Pfeilen geht esschwerer. Doch so lange es ihr Spaß macht, denkt sie nicht ans Aufhören.

Bericht und Foto: Marta Popowska (Nord-Rundschau Freitag, 23. August 2019)

Irene Neumaier, Budozentrum Rottweil

Foto: B. Just

Irene Neumaier begann ihre Kyudo-Laufbahn 1980 im Budozentrum Rottweil, nachdem sie dort bereits elf Jahre Kendo (1. Dan) geübt hatte. Nur sechs Jahre später erreichte Irene den 1. Platz beim 9. DEM-Tournament, worauf sich in den folgenden Jahren eine eindrucksvolle Reihe von Top-Platzierungen auf regionaler und überregionaler Ebene anschloss. Insgesamt gewann Irene Neumaier dreimal die Deutsche Einzelmeisterschaft, aber auch Erfolge wie beispielsweise der 2. Platz mit der Mannschaft bei den Europameisterschaften 2000 in Paris sollen nicht unerwähnt bleiben. Damit gehört sie bis heute zu den erfolgreichsten Kyudo-Wettkämpfern in Deutschland, wofür sie 2002 vom Deutschen Kyudo Bund e.V. mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet wurde. Irene Neumaier ist Inhaberin des 4. Dan und Trainerin C WK mit Prüferlizenz beim Deutschen Kyudo Bund e.V.. Im Budozentrum Rottweil ist sie verantwortlich für das Training der Kyudogruppe.

Michael Brettschneider, Budo-Club-Karlsruhe

Foto: R. Gückel

Michael Brettschneider kam 1978 zum Kyudo, nachdem er bereits auf mehrere erfolgreiche Jahre im Judo, Ju Jutsu und Karate blicken konnte. Er war am Aufbau der Kyudo-Abteilung im Budo Club Karlsruhe (BCK) und gehört in den vergang-enen Jahren als Mitglied des Nationalkaders im Einzel und mit der Mannschaft regelmäßig zu den Bestplatzierten bei natio-nalen und internationalen Wettkämpfen. So erreichte er den 1. Platz im Mannschaftswettkampf bei den Europa-Meisterschaften in Amsterdam 2013, Moskau 2015 und 2017 in Frankfurt. Ein weiterer herausragender Erfolg ist der 3. Platz mit der Mannschaft bei der 2. Weltmeisterschaft in Paris 2014. Aktuell  ist Michael Baden-Württembergischer Landesmeister im Einzel. Er war von 2011 bis 2013 Präsident des Deutschen Kyudo Bund e.V. (DKyuB) und ist Inhaber des 4. Dan und Trainer C WK mit Prüferlizenz beim Deutschen Kyudo Bund e.V.. Im Budo Club Karlsruhe leitete er mehrere Jahre die Kyudo-Abteilung und ist dort Ältester der Kyudogruppe. Im Landesverband bekleidet er als Vorstandsmitglied den Posten des Landestrainers. Michael wurde vom Deutschen Kyudo Bund mit der Ehrennadel in Bronze ausgezeichnet.

Peter Knipper, Kyudogruppe VfL Nagold

Foto: B. Just

Peter Knipper machte sich 1989 in der Kyudogruppe Köln e.V. auf den Weg des Bogens. Bevor ihn dieser nach Nagold brachte, leitete er erfolgreich zwei Kyudogruppen in Nordrhein-Westfalen. Peter ist begeisterter Wettkämpfer und Mitglied im Nationalkader. Seinen größten internationalen Erfolg erzielte er 2013 in Amsterdam, als er mit dem Team des DKyuB Europameister wurde - übrigens zusammen mit Michael Brettschneider! Im selben Jahr erreichte Peter auch bei den Deutschen Meisterschaften einen ausgezeichneten dritten Platz. Daneben findet sich aber auch noch eine Reihe weiterer Topplatzierungen bei regionalen und Deutschen Meisterschaften. Anfang 2016 konnte Peter den VfL Nagold überzeugen, Kyudo in das Angebot des Vereins aufzunehmen. Es fanden sich rasch neue Mitglieder, so dass der Aufbau der Kyudogruppe und das Training im VfL Nagold im Juli 2016 beginnen konnten. Peter Knippper ist Inhaber des 4. Dan, Trainer C mit Prüferlizenz, er erhielt vom Deutschen Kyudo Bund die Ehrennadel in Bronze. 

Jörg Knütter, Budo-Club-Karlsruhe

Foto: R. Gückel

Jörg Knütter kam 1988 zum Budo-Club-Karlsruhe, dem er bis heute angehört. Jörg wurde schon früh von Inagaki Sensei, dem letzten Oberhaupt der Heki Ryu Insai Ha, mit dem 2. Dan graduiert. Talent und eine gute Portion unermüdlicher Fleiß mündeten im Verlauf der Jahre in eine Schießtechnik, die für viele Schützen weit über die Karlsruher Grenzen hinaus Orientierung und Vorbild ist. Die überregionale Anerkennung für seine exzellente Form erhielt Jörg im Jahr 2013, als er im Rahmen der Deutschen Meisterschaften mit dem Stilpreis des Deutschen Kyudo Bund ausgezeichnet wurde. Die Richtigkeit des Kyudo-Lehrsatzes, dass man mit der korrekten Schießtechnik auch das Ziel trifft, fand für Jörg ihre Bestätigung im Titel des Deutschen Meisters, den er im Jahr 2006 erreichte. Bis heute ist er regelmäßig bei regionalen und überregionalen Wettkämpfen unter den Top Ten anzutreffen. Im Budo-Club-Karlsruhe gehört Jörg seit vielen Jahren zum Trainerstab, wo man seine Kompetenz und Ruhe zu schätzen weiß. Kein Wunder also, dass viele seiner Schüler ebenfalls ernsthafte und erfolgreiche Kyudo-ka geworden sind. Jörg Knütter wurde mit der Mannschaft des BCK Baden-Württembergischer Landesmeister 2017.

Hochkonzentriert schießt die Killesbergerin Ingrid Klöckner (links) und Peter Lauck (rechts) im JIMAN KAN KYUDOJO Stuttgart ihre Pfeile ab.                      Foto: Marta Popowska