Enteki-Sonntag in Rottweil  25.08.2019

Teilnehmer erschließen neue "Horizonte" !

Bericht: Marion Moritz

Als sich am späten Sonntagnachmittag die Teilnehmer des

Enteki-Schießens zur Siegerehrung versammelten, waren diese nach einem

langen und intensiven Trainingstag sichtlich erschöpft. Doch der Reihe

nach, beginnen wir von vorne.

Die Kyudoka vom Shu Gi Kan Kyu Dojo in Rottweil trafen sich schon in

aller Frühe an diesem herrlichen, strahlenden Sonntag, um gemeinsam

das Shajô auf dem Rugbyplatz einzurichten. Einige waren damit

beschäftigt mit einem sehr langen Maßband alles auszumessen und die

Mato, die Zielscheiben in der korrekten Entfernung aufzubauen. Andere

bauten einen großen Pavillon als Sonnenschutz und Ruhebereich für die Schützen auf.

Ab 9 Uhr trafen die Teilnehmer ein. Sie nahmen weite Anfahrtswege in

Kauf, um erste Erfahrungen im Enteki-Schießen zu sammeln. Die 60-Meter

Entfernung war für alle Teilnehmer eine neue Erfahrung. Nur Marion

Moritz, die dieses Schießen anleitete und die Schützen in diese

Technik einführte, verfügte über Erfahrung mit dieser Technik. So war

an diesem Tag nicht Individualkorrekturen das Thema, sondern einzig

und allein das Vermitteln der speziellen Anforderungen, um diese

Distanz zu meistern und den Pfeil sicher in der Zielscheibe zu platzieren.

Die meisten der Teilnehmer standen barfuß auf dem noch angenehm kühlen

und kurzgeschorenen Rasen, als die Veranstaltung um 10 Uhr startete.

Die Zeit vor der Mittagspause flog, im wahrsten Sinne des Wortes, mit

Einweisung, Erklärung und ersten eigenen Versuchen nur so dahin.

Marion Moritz betreute die Schützen, ging von einem zum anderen und

gab Tipps über das richtige Setzen der Füße, die korrekte Neigung des

Oberkörpers und das Finden des Zielpunktes. Nach und nach zentrierte

sich die Streuung und mehr und mehr Pfeile fanden sich im Mato.

Pausen waren an diesem heißen Tag besonders wichtig. Trinken, trinken,

trinken und zwischen den einzelnen Pfeilen immer wieder den Schatten

suchen. Die Rottweiler Kyudoka hatten sich bestens vorbereitet. Zur

Mittagspause gab es eine gut gewürzte asiatische Gemüsesuppe, die die

Bogenschützen wieder auf die Beine stellte. Eine reichliche Auswahl an

Kuchen nebst Kaffee und kühlen Getränken rundete das Catering ab.

Die Sonne stieg höher und stand bereits im Zenit als die Kyudoka

wieder auf den Schießplatz zurückkehrten. Der Spaß und die Freude der

Teilnehmer war an diesem Tag spür- und sichtbar. So begann der

Nachmittag mit 12 Pfeilen freies Training, das ausgiebig genutzt

wurden, die Form zu verbessern. An Zuschauern mangelte es an diesem Tag nicht.

Umgeben von Freibad und Kletterhalle schauten viele Passanten den

Kyudoka quasi „über die Schultern“. Auch Edgar Weinmann, einer der

Gründerväter des Budo-Zentrums, schaute lange und intensiv zu wie sich

das Kyudo in Rottweil entwickelt hat.,

Um den Spannungsbogen hoch zu halten, hatte Marion Moritz gegen 15 Uhr

für die Teilnehmer noch eine Überraschung vorbereitet. Das an diesem

Tag Gelernte wurde in einem Wettkampf praktisch umgesetzt. Kyudo

bedeutet auch in besonderen Situationen unter Druck einen guten Schuss

abliefern zu können. Jetzt war für die Teilnehmer Gelegenheit zu

zeigen wie ruhig und gelassen sie sich einer solchen Situation stellen

können. Die Startreihenfolge wurde ausgelost und und die Teilnehmer

schritten zur Shai. Vier Runden mit je 2 Pfeilen wurden. Schnell

kristallisierten sich nach den ersten vier Pfeilen aus dem

Teilnehmerfeld drei Favoriten heraus. Noch war das Ende offen, noch

hätten andere Schützen die Möglichkeit gehabt bei den nächsten vier

Pfeilen aufzuschließen oder gar am Favoriten vorbeizuziehen. Beinahe

wäre dieser Coup Bernhard Weller vom Budo-Zentrum geglückt. Ihm gelang

es den führenden Daniel Bachmann aus Heidelberg noch abzufangen und

ein Stechen herauszuschießen. Fritz Klein, der ebenfalls Nervenstärke

bewiesen hatte, belegte für das Kyu-Dojo Stuttgart einen

hervorragenden 3. Platz. Daniel Bachmann und Bernhard Weller mussten,

da sie die gleiche Trefferzahl hatten, ins Stechen gehen. Der Fairness

halber wurde auch hier die Reihenfolge ausgelost. Jeder durfte einen

Pfeil über die 60 Meter-Distanz schicken, beide behielten die Nerven:

Atari – Treffer! Also nochmal. Alles auf Anfang! Ein zweites Stechen

war nötig. Dieses Mal war Daniel Bachmann der Nervenstärkere. Souverän

traf er die Scheibe und holte sich den Sieg. Bernhard Weller konnte den Wettkampf mit einem hervorragenden 2.

Platz abschließen.

Als Marion Moritz während der Siegerehrung in die Gesichter der

Teilnehmer schaute, war ihr klar, das dieser wunderbare Enteki-Sonntag

etwas früher enden sollte, als geplant. Platt, aber glücklich und

zufrieden steckten die Teilnehmer ihre Pfeile in die Köcher und

spannten ihre Bögen ab. Ein  Fazit dieses Tages stand fest: Das „Enteki-Feuer“ wurde bei allen Kyudoka entzündet.

 

Am Ende des Tages noch ein Gruppenfoto zur Erinnerung.

Vorne in der Mitte der Sieger des Wettkampf Daniel Bachmann, links daneben der Drittplatzierte Fritz Klein, stehen der Dritte von rechts Bernhard Weller, der den zweiten Platz belegte.

Bild: Michael Erhard

Landeslehrgang für Makiwara-Schützen in Nagold

1. Landeslehrgang für Makiwara - Schützen

Nagold. Mit der Ausrichtung eines Landeslehrgangs feierte die erst ein Jahr alte Kyudo-Gruppe im VfL Nagold gleich zwei Premieren. Zum einen, weil es der erste Kyudolehrgang in Nagold war, zum andern, weil dieser Lehrgang sich ausschließlich an junge Makiwara-Schützen wendete und damit der erste seiner Art auf Landesebene war. Insgesamt folgten 17 Teilnehmer aus mehreren Bundesländern der Einladung.

 

Lehrgangsleiter Peter Knipper (4.Dan) erläuterte die thematischen Schwerpunkte wie Aufbau und Beibehaltung der drei großen Kreuze (Schulterlinie, Hüftlinie, Füßelinie jeweils zur Körpersenkrechten) zur Erlangung einer stabilen Körperform, aber auch die korrekte Ausführung des Te no uchi. Im Praxisteil bestand ausgiebig die Möglichkeit zum intensiven Üben der Lehrinhalte und Korrekturempfehlungen.

 

Nach der Mittagspause bekamen sechs Lehrgangsteilnehmer Gelegenheit, sich zum 5. und 4. Kyu prüfen zu lassen. Alle sechs Teilnehmer schlossen ihre Prüfung erfolgreich ab.

 

Mehrere Pausen mit Verpflegung boten nicht nur die Möglichkeit zur Stärkung und Erholung vom recht intensiven Üben, sondern auch zum gegenseitigen Kennenlernen und Erfahrungsaustausch. Dabei wurde u. a. der Wunsch nach einem Folgekurs im nächsten Jahr geäußert.

 

Ein ganz besonderer Dank gilt den Helfern der Kyudogruppe Nagold, die nicht nur für eine ausgezeichnete Verpflegung sorgten, sondern auch eine reibungslose Organisation dieses ersten Landeslehrgangs in Nagold gewährleisteten.

Text: R. Gückel

Bild: P.Knipper

Die Kyudogruppe vom VfL Nagold veranstaltete ihren ersten Lehrgang.